Meine letzte Laserregatta war Jahre her und wirklich trainiert hab ich da auch schon nicht mehr. Doch Svenja stachelte mich diesen Sommer an mit ihrer Lust, vor der Arbeit etwas segeln zu gehen. Lutz warb um frühe Meldungen für die Sanduhr und witzelte rum, dass mein Name auf der Meldeliste etwas Pull hätte. Und so formte sich ein Plan und ich meldete an Ort und Stelle. Die Jugendlichen mussten also ein Wochenende ohne ihren Trainer auskommen.

Natürlich stellt man sich das so toll vor – eine Regatta im Herbst. Das wird sehr windig, aber das Wasser ist noch warm. Pustekuchen, der Samstag startete mit Warten an Land. Die Stimmung war gut, aber nicht besonders optimistisch. Immerhin war es schon Nachmittag und nicht morgens um 7. Mit einer Regenwolke kam etwas Wind und unser Wettfahrtleiter Henning schickte uns auf Wasser. Die entstehende Hektik war aber nicht notwendig, weil wir auf dem Wasser zunächst weiter warten mussten. Doch es setzte erneut Wind aus Nordwest ein und wir konnten Starten. 

Und bereits kurz nach dem Start war klar: Ich bin nicht mehr 18. Doch wenn man sich 7 Tage die Woche vom Motorboot aus mit dem Thema beschäftigt, dann erwartet man irgendwie auch, dass man sein Wissen auf dem Wasser umsetzen kann. Doch ich mache über das Wochenende viele Fehler, die ich täglich auch bei den Jugendlichen beobachten kann: Meine Uhr ist eine Sekunde zu spät, ich stehe 2m unter der Linie, ich lege in der Wende zu viel Ruder, ich fahre zu lange in der Abdeckung mit und ich bin plötzlich auf der linken Seite, obwohl ich unbedingt nach rechts wollte. In der 4 Wettfahrt gelingt mir endlich mal der Start und ich bin nach dem Vorwind auf Platz 4. Warum decke ich nicht einfach das Feld, so wie ich es jedes Wochenende predige? Der Perspektivwechsel ist wohl dringend mal wieder nötig gewesen.

Wer an diesem Wochenende keinen Fehler macht, ist die Wettfahrtleitung. ILCA 7 und ILCA 6 schaffen am Samstag doch noch 2 Rennen. Die anderen Klassen immerhin 1. Sonntag ist der Wind besser und alle Klassen segeln 3 Wettfahrten. „Es war ein sehr gelungenes Wochenende , vielen Dank an alle die mitgeholfen haben, “ schreibt Helene Ropohl die mit Lilli Einfeldt (NRV) im 420er vor Till Bergmann / Oscar Grötzinger und Max Steinwandt / Kalle Kröger (alle MSC) gewonnen hat. Im ILCA7 gewann Paul Porthun vor Willy Sörensen (beide MSC) und Marino Rychlitzki (SVEW) und sichert sich damit den Titel des Norddeutschen Meisters. Im ILCA 6 ging der Titel und damit auch die Sanduhr an die Alster. Line Pähler (NRV) gewann vor Jonnathan Feindt (BSC) und Leon Kähl (NRV). Überraschungen gab es bei den ILCA 4 Pauline Siepmann und Bodo Sörensen (beide MSC) sicherten sich bei ihren ersten ILCA-Regatten die ersten beiden Plätze. Dahinter freute sich Emil Rosink vom BSC über Bronze. Auch die H-Jollen, Finns und Laser Bahia waren gut vertreten. Die Ergebnisse finden sich hier: https://www.manage2sail.com/de-de/event/Sanduhr2022#!/results?classId=420

Und kamen wirklich alle Jugendlichen ohne ihren Trainer klar? Kann ich das ganze jetzt regelmäßiger machen? Zum Glück kann ich auf die Eltern zählen, denn Lars und Fabian übernahmen den Job auf dem Schlauchboot. Clara, die ihre erste 420er-Regatta gesegelt ist, resümiert: „Wir haben am Samstag bei leichtem Wind eine Wettfahrt zustande gebracht, die bei uns gut lief. Sonntag sind wir haben wir bei etwas mehr Wind unsere Platzierung gehalten. Für unsere erste Regatta im 420 sind wir bei sehr zufrieden!“

Mit freundlichem Gruß Toni Pohlenz

Fotos: Carsten Porthun