Die Segel-Bundesliga

Manche Ideen sind so gut, da wundert man sich, dass sie nicht schon früher in die Tat umgesetzt wurden: als die Hamburger Konzeptwerft vor vier Jahren ihre Pläne für eine Segel-Bundesliga vorstellte, waren zahlreiche deutsche Vereine sofort bereit, dieses neue Wettfahrtformat auszuprobieren. Einer der Hauptakteure: der MSC mit seinem Vorsitzenden Oliver Kosanke, der seitdem als Schatzmeister der Deutschen Segel-Liga e.V. fungiert.
Das Prinzip des Liga-Segelns ist einfach und aus diversen Ballsportarten bekannt. Die Regatten der 1. und 2. Liga werden zwischen 18 Vereinsmannschaften auf identischen und somit absolut vergleichbaren Booten vom Typ J/ 70 ausgetragen, verteilt über mehrere Spieltage bzw. Segeltage. Gewertet wird nach dem bekannten Low-Point System. Und am Ende der Saison lockt die Meisterschale der Segler.
Der MSC ist leider inzwischen in die 2. Liga abgestiegen, trainiert aber mit der neuen J/70 für den direkten Wiederaufstieg oder zumindest die Chance, sich in den Qualifikationswettfahrten am Saisonende um einen Platz im Oberhaus der deutschen Liga-Segler zu bewerben.
Längst haben die europäischen Nachbarländer das erfolgreiche Liga-Konzept adaptiert, so dass dieses Jahr zum dritten Mal die besten Vereinsmannschaften Europas bei der Sailing Champions League gegeneinander antreten.

Die J/70

Das Boot der Segel-Bundesliga, die J/70, ist die aktuell am stärksten prosperierende Kielbootklasse der Welt. Inzwischen wurden über 800 Einheiten des schnellen, leicht zu segelnden und trailerbaren Bootes gebaut. Vor allem braucht es keinen Kran braucht, um das Schiff ins Wasser zu lassen. Der Karbonmast kann nach dem Slippen von Deck aus von der Crew gestellt werden.

Neben einer langen Wasserlinie, die fast der gesamten Länge des kleinen Schiffes entspricht, punktet die Yacht mit einem großen Cockpit, von dem aus alle Schoten und Strecker bedienbar sind. Wie es sich für ein modernes Kielboot gehört, hat das Schiff einen vertikalen Hubkiel, Gennaker und ein offenes Heck. Dazu eine kleine Kajüte und ein simpler, zeitgemäßer Segelplan mit Achter-, aber ohne Backstag, Rollfock, Bugspriet und Masttop-Gennaker.

Sein Ziel bei der Entwicklung der Sportbootklasse definierte Konstrukteur Rod Johnstone so: es sollte vielseitig einsetzbar sein, schnell für Regattasegler, entspannt genug für Familien und finanzierbar. Eine neue, segelfertige J/70 inklusive Trailer kostet rund 45.000 Euro, um eine teure Materialschlacht zu vermeiden, darf nach den Klassenregeln nur ein vermessener Segelsatz pro Jahr genutzt werden.

J/70 in Zahlen
LüA: 6,93 Meter
Breite: 2,25 Meter
Tiefgang: 1,5 Meter (Kiel unten)
Masthöhe: 10,82 Meter
Verdrängung: 795 Kg
Ballast: 285 kg
Großsegel: 18 m²
Fock: 8 m²
Gennaker: 45m²